Brunnen

Ein Brunnen ist ursprünglich ein Schacht, mit dem Grundwasser zur Erdoberfläche gefördert werden kann. Daraus entwickelte sich meist ein öffentliches Becken, in dem Wasser aufgefangen wird. Meistens handelt es sich dabei um Trinkwasser. Sollte dem nicht so sein, so schreibt zumindest in Deutschland die Trinkwasserverordnung die Kennzeichnung mit dem Hinweis „kein Trinkwasser“ vor.

Brunnen zur Wassergewinnung und als Nutzbrunnen

Der einfachste Brunnen ist ein Auffangbecken aus Holz oder Stein, mit dem ausfließendes Quellwasser aufgefangen wird, bevor es zu einem Bach wird.

Unter einem Tiefbrunnen versteht man eine vom Menschen geschaffene Öffnung im Erdreich, die meist senkrecht hinunter geht. Diese Öffnung kann entweder verrohrt sein oder aber durch die natürliche Festigkeit des Materials des Untergrunds erhalten bleiben. Aus diesen Bohrungen wird das Wasser anschließend durch technische Hilfsmittel (Winde oder Pumpe) nach oben gefördert. In den Artikeln Brunnenbau und Horizontalbrunnenbau wird der Bau verschiedener Brunnentypen beschrieben. Zur Messung des Grundwasserspiegels kann man das Tiefenlot, die Brunnenpfeife, den Kabellichtlot, Widerstandsketten oder ein Echolot verwenden.

Ein Artesischer Brunnen ist ein natürlicher Brunnen, bei dem das Grundwasser durch Überdruck selbsttätig aufsteigt. Der Aufstiegskanal ist dabei typischerweise künstlich angelegt und somit ebenfalls ein Tiefbrunnen.

Ebenfalls durch natürlichen Druck werden einfache Brunnen-Zapfstellen möglich, z. B. Viehtränken im Gebirge, wobei es sich um einen Druck handelt, der durch das im Gebirgsmassiv unsichtbar hinunterfließende Wasser entsteht. Somit wird ein Reservoir unterhalb seines Füllstands angebohrt oder sein natürlicher Quell wird mit technischen Mitteln abgefasst und umgeleitet, ohne dabei in die Tiefe bohren zu müssen.

Eine besondere Brunnenform stellen die vor allem im Iran verbreiteten Qanate dar, bei denen es sich um einen horizontalen Wassersammelstollen mit mehreren vertikalen Zugangsschächten handelt.

Es wurde zwischen Zieh- und Laufbrunnen unterschieden. Brunnen galten bis zur Einführung des Leitungswassers als Treffpunkt für Menschen und insbesondere für Wäscherinnen. Viele dieser historischen Brunnenanlagen stehen heute unter Denkmalschutz und gelten zum Teil sogar als Sehenswürdigkeit.

Ziehbrunnen

Ziehbrunnen sind teils recht urtümliche Schöpfeinrichtungen, die zur Erleichterung der Wasserbeschaffung, insbesondere bei größeren Mengen wie beim Tränken von Viehherden dienen. Bekannteste Beispiele sind die Brunnen der Puszta, die es aber im gesamten Steppengürtel Eurasiens und auch anderswo gibt. Neben dem Einsatz der Hebelwirkung über den Schwingbaum an dem Gegengewichte die Arbeit erleichtern sind Räder, Seile und Zugtiere (Büffel, Esel, Kamele) im Einsatz. Die in Mitteleuropa gebräuchliche Ziehvorrichtung, bei der ein Seil auf einem verhältnismäßig kleinen Rundholz aufgewickelt wird, sind dagegen technisch gesehen keine besonders effektiven Lösungen.

Brunnen als Wasserspiel

Mit dem Aufkommen von Wasserleitungen, die das Nutzwasser direkt in die Haushalte brachte, verschwanden die Entnahme- und Waschbrunnen im öffentlichen Raum. Sie wurden in vielen Dörfern und Städten durch mehr oder weniger gelungene künstlerisch gestaltete Brunnenanlagen ersetzt. Bestandteile solcher Brunnen sind: Fontänen, Kaskaden, Überlaufbauwerke, Spritzdüsen, Wasserfälle. Brunnenanlagen sind heute auch ein Anziehungspunkt im öffentlichen Raum. Gerne sitzen Menschen in der Nähe eines solchen Zierbrunnens oder tauchen eine Hand in das Wasser. Das Wasser kühlt durch die Verdunstung im Sommer und trägt somit zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Im islamischen Raum sind Innenbrunnen ein wichtiger Bestandteil von Palästen, da sie die Innenraumtemperatur absenken.

Technische Aspekte Zierbrunnen: Brunnenanlagen haben eine Umwälzpumpe. Es wird daher nur das verdunstete Wasser ersetzt. Brunnenanlagen werden vor Beginn der ersten Fröste entleert. Da Brunnen einen gewissen Wartungsaufwand benötigen, zeugen nichtfunktionierende Wasseranlagen von leeren Kassen des Betreibers.

Geschichte

Die ältesten bisher bekannten Brunnen stammen aus der frühen Jungsteinzeit. Der heute unter dem Meeresspiegel gelegene Brunnen von Atlit Yam (Israel) stammt aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. (spätes PPN B). Wenig später wurden in Mylouthkia auf Zypern Brunnen angelegt. Aus der mesolithischen Siedlung Friesack in Brandenburg ist eine flache Grube bekannt, mit der die damaligen Jäger und Sammler sich vielleicht Zugang zum Grundwasser erschafft haben. Die ersten echten Brunnen in Mitteleuropa stammen aus der ältesten Bandkeramik, um 5300 v. Chr. Sie besassen meist einen Brunnenkasten aus Eichenholz. Aus der Schnurkeramik sind Brunnen mit einer Auskleidung aus Flechtwerk bekannt.

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